Bullerteichgeschichte

Friedrich Ernst Hunsche

WESTERKAPPELN

Chronik einer alten Gemeinde

im nördlichen Westfalen

Herausgegeben von der Gemeinde Westerkappeln

1975

S. 382/383:

 

Die Badeanstalt

 

Öffentliche Badeanstalten, wie wir sie heutzutage an fast allen Orten vorfinden, gab es früher nicht. Um 1905/06 aber bestand in Westerkappeln schon der Plan, eine Badegelegenheit zu schaffen. Dafür bot sich der Bullerteich an, der zwar zum Gute Cappeln gehörte, aber seit langer Zeit auch als öffentliche Wäscherei benutzt wurde. Hier befand sich auch die alte Leinenbleiche. Der Bullerteich war der größte Teich in der Gemeinde Westerkappeln. Den kleinen Kindern erzählte man, daß man sie aus diesem Teich geholt habe. In früheren Zeiten wurde er wohl nur als Fischteich benutzt.

Der Plan, eine Badeanstalt einzurichten, wurde von dem damaligen Besitzer von Haus Cappeln, Freiherrn Caspar von Loe, unterstützt. Leider war der Bullerteich durch Abwässer so verunreinigt, daß es deswegen zu Beschwerden kam. Als bei der Beseitigung dieses Übelstandes auch die Gräften von Haus Cappeln gereinigt werden mußten, verpflichtete sich von Loe, die Hälfte der Kosten für die Reinigung und das Legen von Rohren zu tragen. Es mußte auch eine Verlegung der Wäscherei erfolgen. Der Kostenvoranschlag für die Einrichtung der Badeanstalt belief sich auf 380,-- Mark; die tatsächlichen Kosten lagen aber bedeutend höher.

Der Bullerteich wurde im Mai 1912 an die Stadt Westerkappeln auf 15 Jahre verpachtet, ging dann aber in das Eigentum der Stadt über.

 

Auch die Fischereigerechtigkeit im Bullerteich wurde am 1. Oktober 1911 bis zum 30. September 1926 in Pacht vergeben. (Akten des Gemeindearchivs Westerkappeln.)

Bereits im Jahre 1916 gab es für die „Städtische Badeanstalt“ eine „Badeordnung“, die folgende Vorschriften enthielt. Es war streng verboten das Baden ohne Badehose und ohne Badekarte; das Betreten der angrenzenden Wiesen; unanständiges Lärmen; Mitbringen von Hunden; Verunreinigen des Wassers und der Böschungen; Beschmieren oder Beschreiben der Ankleideräume oder Umzäunung; der Aufenthalt im entkleideten Zustand außerhalb der Umzäunung, besonders bei vorüberfahrenden Zügen. Die Badezeit allein für Damen war von vormittags 9 bis 11 Uhr und von 3 bis 5 Uhr nachmittags festgesetzt.

Die damaligen Badeverhältnisse in Westerkappeln sind mit den gegenwärtigen in keiner Weise mehr zu vergleichen. Heute besitzt Westerkappeln ein modernes beheizbares Freibad, das weit über Westerkappeln hinaus bekannt ist. Es hat rund eine Million DM gekostet und konnte am 17. Mai 1968 eröffnet werden.